Test offenbart: Jedes 3. Minderalwasser in deutschen Supermärkten belastet

By |2019-07-11T00:19:33+02:0011.07.2019|Allgemein|0 Comments

Test offenbart: Wasser in deutschen Supermärkten oft ungenießbar! Durchschnittlich 60 – 80 % unseres Körpers besteht aus Wasser. Damit Körper und Geist leistungsfähig bleiben, müssen wir für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen.
Das kann zum einen über die Nahrungsaufnahme geschehen, viel wichtiger ist es aber ausreichend zu trinken. Dabei greifen die Deutschen vermehrt auf Mineralwasser zurück.

Ökotest hat verschiedene Sorten klassischer Mineralwässer einmal genauer unter die Lupe genommen und deren Stärken und Mängel ausfindig gemacht. Das erschreckende Ergebnis: Nahezu jedes dritte getestete Wasser enthält gefährliche Schadstoffe.

Was ist Mineralwasser?

Mineralwasser ist Tiefenwasser, welches sich auf seinem Weg durchs Erdreich mit verschiedenen Mineralstoffen anreichert. Je nach Region und Gesteinsvorkommen entnimmt es seiner Umgebung diese Substanzen in unterschiedlicher Konzentration.
Mineralwasser unterliegt dem Reinheitsgebot, das bedeutet, dass es auf natürliche Weise vor Verunreinigungen geschützt ist und der ursprüngliche Wassergehalt im Nachhinein nur geringfügig verändert werden darf.

Das Testverfahren

Getestet wurden 53 klassische Mineralwässer. Unter klassischem Mineralwasser versteht man Mineralwässer, die mit 7 – 8 Gramm Kohlensäure pro Liter versetzt sind.
Im Fokus der Testreihe stand die präzise Elementbestimmung mittels diverser Analysemethoden.
Zur Ermittlung der Schwermetalle wurde das ICP-MS-Verfahren herangezogen.
Pestizidmetaboliten (Abbauprodukte landwirtschaftlicher Pflanzenschutzmittel), perfluorierte Tenside (toxische Industriechemikalien) und Süßstoffe wurden durch die LC-MS-/MS-Methode identifiziert und messbar gemacht.
Der Nitratgehalt im Wasser wurde über die Flüssigkeits-Ionenchromatographie bestimmt und der Elementgehalt von Calcium und Magnesium durch induktiv gekoppelte Plasma-Atom-Emissionsspektrometrie ermittelt.
Zur Bestimmung des genauen Anteils von PVC, PVDC und chlorierten Verbindungen in der jeweiligen Wasserprobe wurde die Röntgenfluoreszenzanalyse eingesetzt.
Neben der genauen Zusammensetzung wurden auch ökologische Aspekte wie das Verpackungsmaterial (Glas, PET-Mehrweg- oder PET-Einwegflaschen) berücksichtigt.

Schadstoffbelastungen in jedem dritten Mineralwasser

Während das Wasser auf seinem Weg zur Quelle viele natürliche Mineralstoffe aufnimmt, die unserer Gesundheit zugutekommen, entnimmt es seiner Umwelt auch kleinste Mengen schädlicher Substanzen. Diese gefährlichen Rückstände können entweder natürlichen Ursprungs oder menschlicher Abstammung sein.

Uran, Bor und Arsen sind Elemente der Erdkruste und in einigen Regionen mehr und in anderen weniger stark vertreten. Sie alle birgen Gesundheitsrisiken:

  • Uran ist ein Schwermetall mit toxischen Eigenschaften, welches in hoher Konzentration unter anderem zu Schäden an den Nieren und an den Knochen führen kann,
  • das Spurenelement Bor kann die Enzymfunktionen und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen
  • und das giftige Halbmetall Arsen steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Obgleich es keine gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte für den Bor-, Arsen- und Urangehalt im Mineralwasser gibt, zog Ökotest aufgrund dieser Gefahren Punkte in der Gesamtbilanz ab, sobald Bor einen Grenzwert von mindestens 500 µg/l, Uran mehr als 2 µg/l und Arsen 5 µg/l erreichte.

Neben den Stoffen, die natürlich in der Natur vorkommen, kann das Mineralwasser auch durch Substanzen verunreinigt werden, die menschlichen Ursprungs sind.
Das betrifft zum Beispiel die sogenannten Pestizidmetaboliten (giftige Rückstände von Pestiziden, die in der Agrarwirtschaft zum Einsatz kommen) aber auch Süßstoffe (Abfallprodukte aus menschlichen Haushalten, die unter anderem in Medikamenten vorkommen).
Obwohl diese Substanzen in den getesteten Mineralwässern nur in so geringen Mengen vertreten waren, dass von ihnen kein gesundheitsschädigendes Risiko ausgeht, wurden sie ab einer Konzentration von mehr als 0,05 mg/l abgewertet, weil sie dem natürlichen Reinheitsgebot des Mineralwassers widersprechen.

Glasflaschen schonen Umwelt und Gesundheit

Im Testverfahren wurde nicht nur die Wasserqualität an sich berücksichtigt, sondern auch der Nachhaltigkeitsgedanke aufgegriffen.
Unterschieden wurde zwischen Glas-, Mehrweg- und Einwegflaschen.

Glasflaschen belasten die Umwelt am wenigsten. Sie können bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden und bestehen darüber hinaus zu einem Großteil aus recyceltem Altglas.
PET-Mehrwegflaschen hingegen werden nur halb so oft wiederverwendet, sind aber dennoch deutlich schonender für die Umwelt als Einwegflaschen, die nach der einmaligen Benutzung entsorgt werden müssen.
Alle drei Verpackungsvarianten sind zwar grundsätzlich recyclebar, der Prozess ist jedoch kostspielig und nur unter Ausstoß erheblicher CO2-Mengen möglich. Deshalb ist es sinnvoll, Produkte zu nutzen, die besonders langlebig sind.
Ein weiterer Nachteil, der alle Plastikflaschen betrifft, ist die Gasdurchlässigkeit selbst in geschlossenem Zustand. Während sich die Zusammensetzung des Mineralwassers in einer geschlossenen Glasflasche nicht verändert, kann das Mineralwasser in einer PET-Flasche sowohl Gase aus der Umwelt aufnehmen, als auch an diese abgeben (z. B. Kohlendioxid). Ist die Gasdichte nicht ausreichend gegeben, kann sich das negativ auf den Geschmack und die Qualität des Wassers auswirken.

Neben den qualitativen Merkmalen der äußeren Verpackung sind auch die gesundheitlichen Aspekte nicht zu vernachlässigen. Einige PET-Flaschen enthalten sogenannte Phthalate. Diese können sich in geringen Mengen aus den Kunststoffen auswaschen und dann über das Trinkwasser aufgenommen werden. Sie stehen im Verdacht, hormonelle Wirkungen zu entfalten und damit unter anderem die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen.
Deshalb wurden PET-Falschen, die auf PVC, PVDC oder chlorierte Kunststoffe zurückgreifen, schlechter bewertet, als jene, die darauf verzichten.

Testsieger beim Sprudelwassertest

22 der getesteten Mineralwasser haben im Gesamtergebnis mit “sehr gut” abgeschnitten.
Unter ihnen auch das “Original Selters Classic” aus Hessen. Weder konnten bedenkliche Inhaltsstoffe nachgewiesen werden, noch sind im Testdurchlauf sonstige Mängel aufgefallen. Das trifft auch auf das “Vilsa Brunnen Classic” aus Niedersachsen zu.
Trotzdem unterscheiden sich diese beiden Testsieger deutlich im Preis: Während das Original Selters Classic mit 0,67 € pro Liter im höheren Preissegment angesiedelt ist, ist das Preisniveau des Vilsa Brunnen Classic mit 0,50 € pro Liter, geringer.
Dafür kann das Original Selters Classic mit einem höheren Mineraliengehalt von 1.457 mg/l im Wasser überzeugen, wohingegen das Vilsa Brunnen Classic mit 266 mg/l nicht mal ein Fünftel so viele Mineralien enthält.

Das Schlusslicht und damit der Verlierer in der Testreihe bildet “Apollinaris Classic” mit der Bewertung “ungenügend”. Kein anderes Wasser schnitt in der Gesamtbetrachtung aller Paramter so schlecht ab, wie das Mineralwasser aus Rheinland-Pfalz.
Obwohl das Apolinaris Classic in einer umweltfreundlichen Glasflasche erhältlich und die ursprüngliche Reinheit des Wassers mit “sehr gut” bewertet worden ist, ist der Anteil von Bor und Arsen auffällig hoch und damit potenziell gesundheitsschädigend.

Den vollständigen Bericht vom ÖKO-TEST findest du hier: Mineralwasser-Test: Jede dritte Marke belastet

Der eigentliche Testsieger: Leitungswasser?

Genauso wie das Mineralwasser ist auch das Grundwasser anfällig für Verunreinigungen, die es der Umwelt entnimmt. So ist in den vergangenen Jahren zum Beispiel eine steigende Gewässerverunreinigung durch Nitrat verzeichnet worden, welches durch den Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft in das Grundwasser gelangt. Für den Verbraucher aber kein Grund zur Sorge, denn es obliegt den Wasserversorgern die Filter- und Aufbereitungsmechanismen dahingehend anzupassen, dass die Grenzwerte trotz zunehmender Schadstoffbelastungen nicht überschritten werden.
Fakt ist, das Wasser, was bei uns aus den Hähnen kommt, muss den Anforderungen der Trinkwasserverordnung gerecht werden und unterliegt damit weit engerer Kontrollvorgaben als diejenigen, die die Mineral- und Tafelwasserverordnung an die Mineralwässer stellt.
Die Trinkwasserverordnung gilt bundesweit und regelt unter anderem die Grenzwerte für mikrobiologische Schadstoffe.
Die strengen Richtlinien führen dazu, dass das Leitungswasser häufig von besserer Qualität ist, als das Mineralwasser aus dem Supermarkt.
Zudem ist es jederzeit verfügbar und deutlich günstiger (ein Liter Leitungswasser kostet ca. 100 – 250 Mal weniger als ein Liter Mineralwasser).
Entgegen einer weit verbreiteten Meinung enthält das Wasser aus der Leitung auch nicht weniger Mineralien als Mineralwässer. Ganz im Gegenteil. Die Bezeichnung “Mineralwasser” führt den Verbraucher in diesem Punkt in die Irre, denn Mineralwässer müssen keine Mindestmenge an Mineralstoffen enthalten.
Grund genug, über einen Umstieg nachzudenken.

Trinksprudler als Alternative

Wer sich grundsätzlich mit dem Gedanken anfreunden kann, Leitungswasser zu trinken, dabei aber nicht auf das angenehme Prickeln der Kohlensäure verzichten möchte, kann auf den Trinksprudler zurückgreifen.

Wassersprudeln verbindet verschiedene umweltfreundliche und gesundheitsfördernde Aspekte miteinander:

  • Wiederverwendbare (Plastik- oder) Glasflaschen,
  • CO2-Ersparnis, weil das Wasser nicht geliefert werden muss,
  • schonend für den Rücken, weil keine Kisten geschleppt werden müssen,
  • bei entsprechender Pflege ein langlebiges und hygienisches Produkt.

Trinksprudler unterschiedlichster Hersteller kosten im Durchschnitt zwischen 50 und 100 €.
Zu den Erstanschaffungskosten kommt der regelmäßige Austausch der CO2-Zylinder. Das selbstgesprudelte Wasser entspricht damit in etwa den Kosten, die man im Discounter für das günstigste Mineralwasser in PET-Einwegflaschen zahlt. Hier findest du unsere Kostenrechnung zu Trinksprudlern. Dabei erfährst du im Detail, ob und wann sich ein Wassersprudler lohnt. Wir können vorweg nehmen, dass mehrere Hundert Euro nicht unrealistisch sind.

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