Ist Leitungswasser in Deutschland gesund? Wie gut ist die Trinkwasserqualität wirklich

By |2018-10-01T23:39:47+00:0025. Juni 2018|Allgemein|0 Comments
Zur Abfüllung und Bereitstellung von einem Liter Wasser aus der Flasche sind drei Liter Wasser notwendig. Eine Bilanz, die schnell zeigt, wie paradox es aus ökologischer Sicht ist. Wasser wird im Supermarkt gekauft, anstatt es direkt zu Hause aus der Leitung zu zapfen und zu trinken.

Liegt es am verdächtig niedrigen Preis des Leitungswassers, dass sich die Verbraucher scheuen, Leitungswasser zu trinken? Trauen die Deutschen dem Wasser aus dem Hahn etwa nicht zu, zum Preis von nur 0,2 Cent/Liter hohe Qualität zu bieten?

Höchste Zeit, sich von der Qualität des deutschen Leitungswassers überzeugen zu lassen!

Wie gut ist das deutsche Trinkwasser?

Das Umweltbundesamt legt wie alle EU-Mitgliedstaaten alle drei Jahre einen Trinkwasserbericht vor. Zuletzt wurde die Qualität des Trinkwassers für die Jahre 2014-2016 evaluiert. Das Ergebnis aus dem aktuellen Bericht vom Mai 2018: Das Bundesministerium für Gesundheit beschreibt die Trinkwasserqualität in Deutschland aufgrund der Trinkwasseranalyse als sehr gut. Messungen ergaben, dass die Kontrollparameter in über 99,9 % aller Proben eingehalten wurden.

Wer kontrolliert die Trinkwasserqualität?

Über zwei Drittel des deutschen Trinkwassers stammen aus Quell- und Grundwasser. Das übrige Drittel wird aus Flüssen, Talsperren und Seen gewonnen. Kein anderes Lebensmittel wird in Deutschland so genau geprüft und analysiert wie das Trinkwasser.

Die Trinkwasserverordnung schreibt vor, dass das Trinkwasser in Deutschland regelmäßig getestet werden muss. Zusätztlich gibt es strenge Schadstoffgrenzwerte vor, die keinesfalls überschritten werden dürfen.

Die Trinkwasserverordnung verlangt nicht nur, dass keine Krankheitserreger oder Stoffe in einer für die Gesundheit schädlichen Konzentrationen enthalten sind, sondern zudem, dass das Trinkwasser in Deutschland „rein und genusstauglich“ ist.

Die Qualitätsstandards für deutsches Trinkwasser sind höher als die für Mineral- oder Tafelwässer.Während die Mineral- und Tafelwasserverordnung beispielsweise keine Vorgaben macht, dass Wässer auf Spuren von Pestiziden oder Uran geprüft werden müssen, ist dies durch die Trinkwasserverordnung vorgegeben.

Die Bezeichnung „Mineralwasser“ auf einem Flaschenwasser garantiert also keinen bestimmten Gehalt an Mineralien, sondern lediglich, dass das Wasser direkt an einer Quelle gezapft wurde, die sich aus unterirdischem Wasservorkommen speist. Wie sich das jeweilige Wasser dann zusammensetzt, ist immer durch die geologische Struktur der Region bestimmt. Ein als Mineralwasser bezeichnetes Wasser kann dadurch im Vergleich sogar gerade zu „mineralstoffarm“ sein.

Unter der Aufsicht der jeweiligen Gesundheitsämter sind über 6.000 öffentliche Wasserversorgungsunternehmen mit ihren meist kommunalen Wasserwerken für die Kontrollen zuständig. Je nach gelieferter Wassermenge finden Kontrollen zehn Mal jährlich oder auch mehrmals am Tag statt.

Die Aufbereitung findet in Klärwerken statt, die das Wasser regelmäßig analysieren und gezielt Schadstoffe herausfiltern können. Dann wird es über Rohre in unsere Häuser geleitet. Allerdings endet die Kontrolle des Trinkwassers vor unserer Haustür.

Leitungswasser – Gefahren aus Wasserhahn und Leitungen?

Esoteriker glauben, dass die geometrische Konstruktion der Rohrleitungen und ihre stets rechtwinklig verlaufenden Abzweigungen dem organischen Fluss des Wassers Gewalt antäten und empfehlen, dem Leitungswasser besänftigend zuzusprechen, bevor es getrunken wird.

Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass die Qualität des Rohrsystems in unserem Zuhause durchaus Einfluss auf die Wasserqualität haben kann. Vor 1978 wurden noch regelmäßig Bleirohre verlegt, sodass diese gerade auch in Altbauten aus der Gründerzeit der 30er Jahre in Wohnungen noch verbaut sein können, auch, wenn die Steigleitungen zwischenzeitlich ausgetauscht wurden.

Spuren von Blei im Leitungswasser sind besonders für Schwangere und Kinder gefährlich.Die Nachfolgegeneration der meist verwendeten Rohre war dann meist aus Kupfer. Aber auch bei Kupferrohren ist Vorsicht geboten. Ist zu viel Kupfer im Wasser, kann es sich in der Leber einlagern und gerade bei Kindern für Vergiftungen oder auch dauerhafte Schädigungen an der Leber sorgen. Da in den Leitungen stehendes „Stagnationswasser“ immer besonders lange in den Rohren verweilt, sollte dieses immer erst abfließen können, bevor Wasser aus der Leitung getrunken wird. Auch Spuren von Rost verschwinden so aus dem Wasser.Besser vor Kupferspuren im Wasser schützen Kupferrohre, deren Innenwände verzinnt sind.

Selbstständig sollte man weder Rohre noch Armaturen auswechseln und immer einen Installateur zurate ziehen, der weiß, welche Armaturen und Rohre gefahrlos vom jeweiligen Wasser verursachte Korrosion standhalten können.

Ob alte Rohre das Wasser im Haus beeinträchtigen, kann jeder bei Bedarf durch eine Probe herausfinden. Wer sich um sein Leitungswasser sorgt, kann eine Wasseranalyse beim städtischen Versorger durchführen lassen oder sich an das jeweilige Gesundheitsamt wenden, um herauszufinden, welche Prüfstelle zuständig ist. Eine Orientierung geben auch Wassertests, die im Internet angeboten werden.

Sollte eine Laboranalyse tatsächlich ergeben, dass das hauseigene Trinkwasser mit Blei oder auch Kupfer belastet ist, muss man sich sofort an den Vermieter beziehungsweise den Hauseigentümer wenden, der in diesem Fall verpflichtet ist, die Rohre auszutauschen.

Laut Trinkwasserverordnung ist der Vermieter außerdem verpflichtet, das hauseigene Trinkwasser bei Verwendung einer zentralen Erwärmungsanlage und einem Speicher von mehr als 400 Litern alle drei Jahre auf Legionellenprüfen zu lassen. Diese Stäbchenbakterien können dem Immunsystem Schaden zufügen und gedeihen meist bei Temperaturen zwischen 25-50 Grad Celsius.

Wer Kalkspuren bemerkt, beispielsweise in einem Wasserkocher, muss sich keine Sorgen machen. Kalk kann zwar unangenehme Spuren in Haushaltsgeräten hinterlassen und das Geschmackserleben von heißen Getränken trüben, gefährlich ist Kalk aber nicht. Kalk ist lediglich ein Zeichen für hartes Wasser.

Was ist hartes Wasser?

Die Wasserhärte beschreibt die Konzentrationsdichte der Ionen von Erdalkalimetallen pro Liter. Zu diesen zählen Calcium, Magnesium, Strontium und Bariumionen.

Abhängig vom Boden, durch den das Wasser ab der Quelle sickert, bevor es zu einer Abfüllstation gelangt, löst es diese Stoffe aus dem Gestein und gewinnt dabei an Härte. Aus diesem Grund schwankt die Härte des Trinkwassers immer regional.

Rinnt das Wasser durch Kalk- oder Sandsteinschichten, ist es meist hart.
Weicheres Trinkwasser stammt aus kristallinen Gesteinsschichten wie Granit oder Basalt. Wird Trinkwasser aus einem See gewonnen, dem viel Regenwasser zugeht, ist das Wasser im Allgemeinen ebenfalls eher weich, allerdings kann „saurer Regen“ härteres Wasser bedingen, falls Schwefeldioxid oder Stickoxide über die Verbrennungsanlagen von Kraftwerken in das Grundwasser übergehen.

Die Wasserhärte wird in 3 Härtebereichen als weich, mittel oder hart beschrieben. Weiches Wasser hat unter als 1,5 Millimol Calciumcarbonat je Liter, was weniger als 8,4 °dH entspricht. Mittelhartes Wasser bis 2,5 Calciumcarbonat je Liter (bis 14 °dH ) und hartes Wasser über 2,5 Millimol Calciumcarbonat je Liter (über 14°dH). (Die Werte werden oft quantitativ unverändert auch als Millimol Gesamthärte je Liter angegeben.)

Wo intensive Landwirtschaft betrieben wird, steigt die Wasserhärte mitunter durch den hohen Nitratgehalt auf über 20 °dH (Deutsche Grad Wasserhärte.

Einen Überblick über die Wasserhärte einzelner Regionen in Deutschland gibt www.wasserhaerte.net.

Gefährliche Giftstoffe, die aus dem Trinkwasser gefiltert werden müssen

Gefahren aus dem Leitungswasser

Was belastet die Trinkwasserqualität

Anders als Kalk ist Nitrat durchaus ein gefährlicher Giftstoff, der aus dem Trinkwasser gefiltert werden muss. Nitrat gelangt als Stickstoffüberschuss mit der Gülle ins Grundwasser und überschwemmt als Nebeneffekt der Massentierhaltung in enormen Mengen unser Wasser.

Bei Nitraten im Trinkwasser wird seitens der Wasseraufbereiter durchaus sehr hoher Aufwand betrieben, um die vorgegebenen Grenzwerte einhalten zu können. Es ist nämlich nicht so, dass die Nitratbelastung des Grundwassers rückläufig wäre.
Durch Elektrodialyse und Umkehrosmose gelingt es den Wasseraufbereitern Nitratreste so herauszufiltern. Dies gelingt nur mit immer aufwendigeren Verfahren und verbesserten Filtermechanismen in den Aufbereitungsanlagen. Das Ziel ist es den zugelassen Höchstwert von 50 Milligramm pro Liter Wasser nicht zu überschreiten.

Um die Zielwerte weiter einhalten zu können, wird mit Zusatzkosten von bis zu 767 Millionen Euro pro Jahr gerechnet. Umgerechnet könnte dann der Preis des Trinkwassers um fast das Doppelte steigen.

Sehr aufwendig ist auch der Filterprozess für Arzneimittelreste. Diese dürfen daher auch in keinem Fall einfach über den Ausguss in die Kanalisation entsorgt werden. Auch Pestizide aus Pflanzenschutzmitteln stellen die Wasseraufbereiter vor eine Herausforderung. Pestizidbelastungen haben in einzelnen Fällen sogar dazu geführt, dass die vorgegebenen Wasserwerte nicht zu 100 Prozent eingehalten werden konnten. Coliforme Bakterienkommen nur in Ausnahmefällen im Wasser vor. Wenn, dann gelangten sie meist durch Baumaßnahmen vorübergehend in den Wasserkreislauf oder konnten sich an einer ungenügend gesäuberten Installationsanlage im Wasser ansiedeln. Coliforme Bakterien sind für gesunde Menschen ungefährlich. Sie können aber gerade bei einem bereits geschwächten Immunsystem zu Infektionen führen, da sie meist gegen Antibiotika resistent sind. Wird ihr Vorkommen bemerkt, lassen sie sich durch Abkochen eine Desinfizierung mit Chlor abtöten. Das deutsche Trinkwasser wird sonst in 50 Prozent aller Leitungssysteme nicht mehr Chlor oder Chlordioxid desinfiziert.

Wie ist die deutsche Leitungswasserqualität im internationalen Vergleich zu beurteilen?

Durch die EG-Trinkwasserrichtlinie sind die europäischen Mitgliedstaaten verpflichtet, der EU-Kommission alle drei Jahre über die Beschaffenheit des Trinkwassers Bericht zu erstatten. In ihrem Bericht von 2016 hat die EU-Kommission feststellen können, dass das Trinkwasser in den EU-Mitgliedsstaaten durchweg von hervorragender Qualität ist.

Fast alle Länder halten den vorgegebenen Standard in über 99 Prozent der Proben und mehr ein. In nur drei Ländern, nämlich Ungarn, Malta und Zypern, lag die Quote der Proben, die Grenzwerte nicht erfüllten, in einzelnen Teilbereichen unter 98 Prozent. Der mit Abstand am schlechtesten erfüllte Parameter lag dabei mit 90,1 Prozent bei der Auswertung der Proben mit Chloridbelastung in Malta. Deutschland hat mit die besten Wasserwerte ganz Europas, übertroffen in Teilbereichen nur von den Niederlanden und Finnland. Die Abweichungen liegen allerdings insgesamt in einem Bereich von weniger als 0,5 Prozent.

Auch in den Urlaubsländern kann sich also jeder darauf verlassen, dass das Trinkwasser genießbar ist. Langfristig plant die EU-Kommission sogar, dass Restaurants europaweit kostenlos Leitungswasser anbieten sollen. Hier darf dann jeder guten Gewissens zugreifen, ohne Bedenken um die Gesundheit haben zu müssen.

Fazit

Trinken ist essentiell wichtig für unseren Körper und umso besser das Fazit, dass Leitungswasser gesundheitlich absolut unbedenklich ist. Trinkwasser in Deutschland ist frei von Schadstoffen in signifikanter Menge und im internationalen Vergleich von sehr guter Qualität. Dem Kauf von abgefülltem Wasser ist Trinkwasser vor dem Hintergrund der positiven Umweltbilanz vorzuziehen. Lange Transportwege oder gar quasi unkaputtbare Plastikflaschen, die weggeworfen werden und Dauermüll bleiben, obwohl sie pro forma mit Pfand belegt werden, sprechen gegen den Kauf von Wasser im Supermarkt und verursachen nur zusätzliche Kosten. Wer gerne Sprudelwasser trinkt, kann getrost auch sein eigenes Leitungswasser mit Kohlensäure versetzen. Wie das funktioniert kann in unserem Artikel zu Wassersprudlern alle benötigten Infos finden. Ob sich ein Wassersprudler lohnt erfahrt ihr in unserem Rechenbeispiel Wassersprudler.

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